„Aufgebaut wie eine Spielothek“: Manasse Heidl über Social Media, Einsamkeit und sein Startup BeConnect
Es gibt Gründer:innen-Geschichten, die klingen wie ein gerader Weg von der Idee zum Erfolg. Die Geschichte von Manasse Heidl ist eher ein Zickzack: Jahre des Bootstrappings, ein Fundraising-Versuch, der scheiterte, ein 17-köpfiges Team, das er koordinieren musste, ohne es bezahlen zu können, und eine Produktidee, die er am Ende verwerfen musste, bevor sie wirklich funktionierte.
Zum Auftakt der neuen Startup-Story-Reihe im Heimathafen – gefördert vom hessischen Wirtschaftsministerium – erzählte Manasse, Gründer von BeConnect, warum er Technologie so einsetzen will, dass sie Menschen wieder in die reale Welt zurückführt, statt sie in virtuellen Räumen festzuhalten.
Ein später Zugang zu Technologie
Manasse wuchs in einem Elternhaus ohne Fernseher auf, ohne frühen Zugang zu Handys oder Laptops. „Ich hätte schwören können, dass ich niemals von einem Laptop aus arbeiten werde“, sagt er rückblickend. Heute sitzt er nach eigener Aussage bis zu 14 Stunden am Tag vor dem Bildschirm.
Der Zugang kam über Social Media – und mit ihm eine Faszination für Netzwerkeffekte. Aber auch eine wachsende Kritik: Plattformen, die ursprünglich Menschen verbinden sollten, wurden aus seiner Sicht zu reinen Konsumplattformen – „aufgebaut wie eine Spielothek“, wie er es selbst beschreibt. Aus dieser Beobachtung heraus entstand die Idee für BeConnect: Technologie so einzusetzen, dass sie Menschen wieder in die reale Welt zurückführt, statt sie in virtuellen Räumen festzuhalten.
Bootstrapping, ein Nebenprojekt und ein teures Learning
Bevor Manasse sich ganz auf BeConnect konzentrierte, arbeitete er mehrere Jahre bei einer digitalen Marketing- und SaaS-Agentur in Wiesbaden – bewusst als „persönliches Proof of Concept“, um sich das nötige unternehmerische Handwerkszeug anzueignen, bevor er selbst in den „Driver Seat“ wechselte.
Parallel finanzierte er den Aufbau von BeConnect über ein eigenes Einzelunternehmen im Eventbereich, in dem er über 100 Veranstaltungen organisierte. Sein Team baute er zunächst über ein virtuelles Mitarbeiterbeteiligungsmodell auf, mit stundengenauem Tracking.
Die Map, die niemand wollte
Auch produktseitig gab es einen Kurswechsel: Die ursprüngliche Idee, Nutzer:innen live auf einer Map sichtbar zu machen, scheiterte an Tracking-Ängsten – obwohl das Konzept in persönlichen Erklärungsgesprächen jedes Mal verstanden und akzeptiert wurde. Die Lösung lag nicht in besserer Kommunikation, sondern im vorläufigen Verzicht auf die Map: Events wurden zum Einstiegspunkt, die vernetzte „Localverse“-Erfahrung zur eigentlichen Zieldestination – nicht umgekehrt.
Der virale Loop, der tatsächlich funktioniert ??

Start-up Story #6 Wiesbaden
Heute funktioniert BeConnect als Web-App (https://beconnect-app.com/), kostenlos für Nutzer:innen, monetarisiert über B2B-Integrationen, Ticketing-Gebühren und künftige Premium-Features. Der entscheidende Wachstumshebel: Zwischen drei und fünf Prozent der Menschen, die BeConnect auf einem Event erleben, veranstalten selbst ein eigenes Event darüber. Nach einem Event in München mit rund 200 Teilnehmenden entstanden so 17 neue Veranstalter:innen.
Auch der Heimathafen startet mit BeConnect als Pilotprojekt in Richtung eines langfristigen „Localverse“.
Die eine Botschaft an angehende Gründer:innen
Zum Abschluss der Startup Story fasste Manasse seine zentrale Erkenntnis zusammen: Bevor man gründet, sollte man herausfinden, was einen wirklich antreibt – das „Warum“, das einen auch durch die härtesten Phasen trägt. Gründen sei selten eine Abkürzung zum schnellen Erfolg, sondern ein langer Weg, der nur durchzuhalten ist, wenn die Sache selbst einen erfüllt. Und: Sich Hilfe zu holen – auch mental – sei kein Widerspruch zu unternehmerischer Stärke, sondern eine Voraussetzung dafür, durchzuhalten.
Dieses Event im Programm Start-up Momentum wird gefördert in der Maßnahme „Projekte zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Gründungsmotivation“ durch das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlicher Raum.





