Mit Start-up Momentum wollten wir herausfinden, wer gründet, wächst und Neues aufbaut. Nach einem halben Jahr wissen wir: Da ist ziemlich viel los.

Als wir im September 2025 mit Start-up Momentum – kurz SUMO – gestartet sind, stand am Anfang eine einfache Beobachtung: In Wiesbaden gibt es viele Menschen mit guten Ideen, junge Unternehmen und eine über Jahre gewachsene Gründungsszene. Aber gerade Start-ups, die bereits erste Schritte gemacht haben und nun wachsen wollen, waren als Community noch erstaunlich wenig sichtbar und miteinander verbunden.

Wir wollten wissen: Wer ist eigentlich da? Was brauchen diese Unternehmen für den nächsten Schritt? Und was passiert, wenn wir sie gezielt mit erfahrenen Unternehmer:innen, Mentor:innen und Investor:innen zusammenbringen?

Ein gutes halbes Jahr später wissen wir: Da geht einiges.

Keine Hochglanzfolien, sondern echte Gründungsgeschichten

Herzstück von SUMO waren unsere Start-up Stories. Die Idee: keine glattpolierten Erfolgsvorträge, sondern Entscheidungen, Umwege und Momente, in denen Gründer:innen selbst noch nicht wussten, ob ihr Plan aufgeht.

Am eindrücklichsten war das bei Christian Goossens, Co-Founder und CEO von MIKUTA. Aus hemdsärmeligen ersten Versuchen wurde eine international erfolgreiche Fashion-Marke – aber Christian sprach nicht nur über den Erfolg. Er erzählte von den Jahren, in denen die Firma „gefühlt immer kurz davor war, pleite zu gehen“, von einem Corona-Notfallflug nach Portugal, der aus zwei geplanten Wochen einen jahrelangen Aufenthalt machte, und davon, wie sich ständige Geldsorgen anfühlen, wenn man nebenbei noch ein Privatleben aufbauen will. Der ganze Rückblick steht hier.

Genauso ehrlich, nur mit anderem Ausgangspunkt: Sebastian Schulz von Maldaner Coffee Roasters zeigte, wie sich ein traditionelles Geschäftsmodell neu denken lässt (Rückblick hier), Paul Becker von re:cap sprach über alternative Unternehmensfinanzierung (Rückblick hier), Paul Herwarth von Bittenfeld (Seibert Group) darüber, wie Wachstum auch ohne große Finanzierungsrunden geht, und Alicia Grein & Johan Grotkopp von formie darüber, wie aus purem Ärger über komplizierte Verwaltungsprozesse ein digitales Produkt für Familien wurde (Story hier).

Fünf Abende, insgesamt 82 Teilnahmen, fünf sehr unterschiedliche Wege – von Kaffee und Fashion über Finanzierung bis zur Digitalisierung von Verwaltung. Genau das war eine der Erkenntnisse aus SUMO: Start-up-Potenzial in Wiesbaden hat viele Gesichter.

Peer Circle: Weniger Pitchen, mehr Tacheles

Neben Sichtbarkeit ging es uns genauso um Austausch. Denn eine Rückmeldung begegnete uns immer wieder: Wer ein Unternehmen aufbaut, findet viele Netzwerkveranstaltungen – aber kaum Orte, an denen man offen darüber sprechen kann, was gerade nicht funktioniert.

Genau dafür haben wir den Start-up Peer Circle gestartet – ein Format ganz ohne Bühne, Verkaufsgespräch oder Visitenkartensammeln, sondern mit konkreten Fragen aus dem Alltag: Wie organisiere ich meine Finanzierung? Wo helfen KI und Automatisierung wirklich? Was mache ich, wenn das Team wächst oder die nächste große Entscheidung ansteht?

Reibungslos lief das nicht von Anfang an. Ursprünglich hatten wir eine feste Gruppe geplant, die sich über Monate regelmäßig trifft. Schnell zeigte sich: Für eine Community, die sich gerade erst findet, kam diese Verbindlichkeit zu früh. Also öffneten wir das Format – und es funktionierte: 48 Teilnahmen kamen zusammen, mit einer wiederkehrenden Kerngruppe von sechs bis acht Teams. Unser Learning: Offener Austausch braucht Vertrauen, und Vertrauen entsteht nicht auf Knopfdruck. Im nächsten Schritt darf der Kreis kleiner und verbindlicher werden.

Nicht alles lief nach Plan

Das beste Beispiel dafür ist unser Mentoring. Wir wollten zehn Start-ups in feste 1:1-Mentorings begleiten. Umgesetzt haben wir das nicht – obwohl wir 30 Mentor:innen und Expert:innen für das Netzwerk aktivieren konnten.

Denn schnell wurde klar: Gutes Mentoring entsteht nicht dadurch, dass man zwei Menschen mit ähnlichen Themen zusammensetzt. Bei Start-ups wechseln die Herausforderungen oft innerhalb weniger Monate – heute Vertrieb, morgen Finanzierung, übermorgen Teamaufbau. Statt kurzfristig möglichst viele Tandems zusammenzustellen, haben wir lieber verstanden, was ein gutes Mentoringprogramm wirklich braucht.

Auch das war SUMO: ausprobieren, beobachten, nachjustieren – und aus dem Pilot lernen.

Das große Finale: Der erste Start-up Day

Am 13. Februar 2026 kam zusammen, was wir mit SUMO erreichen wollten. Beim ersten Start-up Day im Heimathafen trafen 61 Menschen aus Start-ups, Wirtschaft, Investment und Politik aufeinander. Zwölf Teams pitchten ihre Ideen: Booki Brain, Sherlock Studio mit John Sherlock, pgday.app von Kai Kuckein, VU Studio, Koala Krunch, Pioneer Compass von Leon Melzer, tellspire von Anna Dill, YOURCENTAGE, Wisp Security, formie, Nexref und routime.

Von KI und IT-Sicherheit über digitale Verwaltung bis zu Food und Familienalltag war ziemlich viel vertreten. Plötzlich sahen wir sehr konkret, was wir beim Scouting bereits geahnt hatten: In und um Wiesbaden gibt es eine vielfältige Start-up-Landschaft. Man muss ihr nur die Gelegenheit geben, sichtbar zu werden.

Damit aus dem Abend nicht einfach 60 Menschen mit Getränk in der Hand wurden, machten wir über ein Farb- und Rollensystem sichtbar, wer als Start-up, Investor:in, Talent, Mentor:in oder aus der Politik dabei war – ergänzt durch eine Wall of Participants. Bei Pizza, Vino & Politics wurde es schließlich politisch: Gründer:innen kamen direkt mit Wiesbadener Entscheidungsträger:innen ins Gespräch – über Finanzierungszugang, Bürokratie und die Rolle von Start-ups für die wirtschaftliche Zukunft der Stadt. Der ganze Rückblick auf den Start-up Day steht hier.

Was wir mitnehmen

Wiesbadens Start-up-Szene ist größer, als wir dachten. Viele spannende Unternehmen sind längst da – sie sind nur noch nicht immer sichtbar und miteinander verbunden.

Ursprünglich wollten wir zehn Start-ups identifizieren. Am Ende waren es 55 Start-up- und Scale-up-Projekte – dazu 50 weitere gründungsnahe Kontakte, 190 Teilnahmen von 139 unterschiedlichen Menschen und ein Netzwerk, das es vorher schlicht so nicht gab.

Sobald wir gezielter gesucht und Angebote klarer auf diese Zielgruppe zugeschnitten haben, kamen die Menschen zusammen – und für uns als Heimathafen wurde noch einmal deutlicher, welche Rolle wir spielen können: ein Ort zu sein, an dem Menschen mit unternehmerischen Ideen nicht nur Räume finden, sondern vor allem die richtigen Menschen für den nächsten Schritt.

Nachtrag August 2026

Die Dynamik darf weitergehen: SUMO geht nach einer kurzen Sommerpause in die zweite Runde. Der Peer Circle wird verbindlicher, das Mentoring bekommt mehr Struktur – und wir erzählen weiter die Geschichten von Menschen, die zeigen, wie unterschiedlich der Weg von einer Idee zu einem wachsenden Unternehmen aussehen kann.

Das Momentum ist also noch da. Und wir machen weiter.


Start-up Momentum wird gefördert in der Maßnahme „Projekte zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Gründungsmotivation“ durch das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlicher Raum.