Vom Heimathafen-Gast zum CEO einer 27-Millionen-Euro-Brand: Die MIKUTA-Story mit Christian Goossens
Beim letzten Donnerstalk am 27. November 2025 im Heimathafen durften wir einen Gast begrüßen, dessen unternehmerische Reise genau hier in unseren Räumen ihren Anfang nahm: Christian Goossens, Mitgründer und CEO der Modemarke MIKUTA. Aus einer ersten Idee ist mittlerweile ein E-Commerce-Erfolg mit 27 Millionen Euro Umsatz geworden. Doch in seinem ehrlichen und ungeschönten Talk zeigte Christian, dass der Weg dorthin alles andere als ein Spaziergang war.
Die Anfänge im Heimathafen
Christian, der für sein Bauingenieurwesen-Studium nach Wiesbaden kam und lange als Flugbegleiter arbeitete, entdeckte das Unternehmertum überhaupt erst durch Formate wie den Donnerstalk für sich. Die Startphase seiner Marke war dann vor allem von maximalem Pragmatismus geprägt.
Auf die Frage, wie sie als Branchenfremde die ersten Designs entwarfen, gab Christian unumwunden zu: „Wir konnten es alle nicht.“ Sie kauften sich Kleidungsstücke, deren Schnitte oder Stoffe ihnen gefielen, und bauten die Ideen „hemdsärmelig auf drei Seiten in Photoshop zusammen“.
Überlebenskampf in Portugal
Der wirkliche Härtetest kam im März 2020 mit Beginn der Corona-Pandemie. Um die zusammenbrechenden Lieferketten zu retten, flog Christian mit einem Notfallflug nach Portugal. Aus zwei geplanten Wochen wurde ein jahrelanger Aufenthalt.
„Die Phase war brutal, weil ich überhaupt nicht wusste, wo ich sein werde. Die Firma war gefühlt immer kurz davor, pleite zu gehen“, erinnerte sich Christian an diese Zeit.
Er wusste oft genau, dass das Geld nur noch für wenige Monate reichen würde. Dieses ständige Risiko ging an die Substanz: „Man altert schon, wenn man immer Geldprobleme hat und nicht weiß, ob man sich überhaupt ein Privatleben aufbauen kann.“
Christian ordnete dem Business lange alles unter: „Für mich gab es zu 100 % nur das Business. Jeden Tag möglichst schnell rennen, immer wieder aufs Gesicht fallen, aufstehen, Hose sauber machen und weiter geht’s.“
Der geplatzte Glamour-Mythos
Auch mit der Vorstellung des reichen, sorgenfreien Gründers räumte Christian schonungslos auf. Er gab offen zu, dass Geld und der Traum vom Porsche am Anfang durchaus Motivation waren.
Doch die Realität der Geschäftsführung sah oft anders aus. „Ich möchte mal eine Lanze für die Gründerwelt brechen. Die Leute wissen oft gar nicht, wie pleite man ist, selbst wenn man 30 Millionen Euro Umsatz macht“, erklärte er.
Lange Zeit habe er quasi „Paycheck to Paycheck“ gelebt. Zwar gönnte er sich nach einem Anteilsverkauf kurz den ersehnten Porsche und fühlte sich, als hätte er es geschafft. Doch steuerliche Abzüge und das lange fehlende Gehalt holten ihn schnell ein. Den Porsche verkaufte er nach anderthalb Jahren wieder.
Was MIKUTA besonders macht
MIKUTA ignoriert klassische Modetrends und versteht sich eher als Lifestyle-Marke, die von Reisen inspiriert ist. Die Bildsprache setzt nicht auf unnahbare Supermodels, sondern auf die „gut aussehende Freundin um die Ecke“. Seine ehrliche Einordnung dazu: „Am Anfang haben wir alle alles gemacht. Aber es hat sich recht schnell herauskristallisiert, dass Jacks und Klemens ihre Stärken in Design und Fotografie haben – und ich eher der bin, der die geschäftlichen Strukturen, Büros und Teams aufbaut.“
Richtig aufleben tut er bei Themen wie Lagerlogistik oder der detaillierten Store-Planung in Amsterdam. „Da gehe ich richtig drin auf, da lerne ich was. Da bin ich sehr detailverliebt und kann sieben Stunden lang ohne Essen, Trinken oder Pinkelpause durchziehen.“
Der Rat an angehende Gründer:innen
Für angehende Gründer:innen hat Christian eine klare Botschaft: „Einfach machen.“
Fehlendes Know-how lässt er nicht als Ausrede gelten. Man könne sich heute für wenig oder kein Geld in kurzer Zeit unglaubliches Wissen aneignen. „Wenn du keine Ahnung hast, fängst du halt an zu googeln – Augen zu und durch.“
Seine eigenen Mentoren fand er nicht nur im direkten Umfeld, sondern auch digital: „Meine Peergroup sind mein Lieblingspodcast und mein Lieblings-YouTube-Channel. Die halten mich bei Laune, wenn ich durch ein richtiges Tal fahre.“

Über Christian Goossens
Christian Goossens ist Co-Founder und CEO von MIKUTA und treibt dort vor allem das operative Wachstum der Marke voran. Seine Schwerpunkte liegen in E-Commerce, Supply Chain, Sourcing, Logistik und Brand Development. Mit MIKUTA baut er eine internationale Fashion- und Lifestyle-Brand auf, die stark über Direct-to-Consumer, Community und digitale Markenführung gewachsen ist. Inzwischen expandiert MIKUTA auch über den Onlinehandel hinaus: Nach dem Store in Berlin eröffnete die Marke Ende 2025 ihren ersten internationalen Standort in Amsterdam, inklusive Showroom und Wholesale-Start.
Warum wir Startup Stories Wiesbaden machen
Mit „Startup Stories Wiesbaden“ wollen wir genau solche Wachstumsstories sichtbar machen: Start-ups und Scale-ups, die nicht nur eine Idee haben, sondern Momentum aufbauen, Märkte testen, Teams entwickeln, Rückschläge wegstecken und den nächsten Wachstumsschritt gehen. Denn skalierbares Unternehmertum entsteht selten über Nacht. Es entsteht über Jahre hinweg – mit Fokus, Tempo, Risiko, operativer Exzellenz und der Bereitschaft, immer wieder nachzuschärfen.
Gerade deshalb braucht es Formate, in denen diese Erfahrungen geteilt werden. Für Start-up-Teams, die gerade vom Produkt zum Markt finden. Für Gründer*innen, die vor den nächsten Skalierungsschritten stehen. Für Scale-ups, die wachsen, professionalisieren und sichtbar werden wollen. Und für eine Stadt, die zeigen darf, wie viel Start-up-Potenzial bereits hier steckt. Startup Stories Wiesbaden bringt diese Menschen zusammen, macht echte Learnings zugänglich und stärkt die lokale Start-up- und Scale-up-Community Schritt für Schritt.
Wir bedanken uns bei Christian Goossens für diese unglaublich transparenten Einblicke. 🫶
Dieses Event wird gefördert in unserem Programm „Start-up Momentum“ im Rahmen der Maßnahme „Projekte zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Gründungsmotivation“ durch das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen.




